Du, willst wandern? Wieso ich beim Wandern meine Komfortzone verlassen habe und wie gut das tat!

Du, willst wandern?

Ja, ich will wandern. Passend zu meiner Rubrik „Verliebt ins Leben“ beschloss ich, diese Woche alleine wandern zu gehen. Neues ausprobieren, offen sein, sich trauen und nicht immer warten, einfach tun. Mein Plan, wandern zu gehen, war also geboren. Aber bis es dann diese Woche wirklich dazu kam, hatte ich im Vorfeld mit dem ganz normalen Wahnsinn des Alltags zu kämpfen.

Nachdem ich mir diese Woche also fest vorgenommen hatte, wandern zu gehen, wurde ich das Gefühl nicht los, dass mein eigenes Handeln und Denken fast dazu geführt hätte, die Wanderkarte gar nicht erst auszupacken.

Immer wieder schob sich ein Alltagswehwehchen nach dem anderen zwischen meine Füße und die Wanderschuhe. Anstrengend kann ich dir sagen. Als ich jedoch begriff, dass mein Alltag wohl noch weitere Ausreden für mich parat hat, wurde mir eins plötzlich klar: „Jetzt musst du los, Maria! Genau jetzt!“

Keine weiteren Aufgaben, die eben noch gemacht werden müssen. Ich musste weg! Dem Alltag trotzen, tut gut. Zeit nehmen, wo sonst keine Zeit zu sein scheint, ist herrlich!

Wieso eigentlich wandern? Wandern, weil ich seit einiger Zeit gemerkt habe, dass ich mich nach Ruhe sehne. Nach Ruhe und dem Alleinsein. Nicht, weil ich nicht gerne mit meinen Liebsten zusammen bin, nein! Sondern weil ich bereits seit einiger Zeit spüre, dass sich mein Geist und mein Körper nach Ruhe sehnen. Ständig diese Geräuschkulisse, wenn du in der Stadt wohnst. Kurz gesagt, es wurde mir einfach zu laut und ich musste raus.

Vor Jahren hatte ich mir bereits einige Wanderführer für meine Umgebung zugelegt, aber auf den Impuls hin endlich mal loszulaufen, habe ich nie gehört. Bis heute!

Es muss nicht immer weit raus gehen, denn oft liegt so viel Schönes vor der eigenen Haustür. Wenn wir unseren Blick für das Nahe nicht verschließen, sehen wir es auch. Deswegen entschied ich mich für eine Wanderroute, die nur einen Katzensprung entfernt von mir lag. Die beste Entscheidung des Tages!

Hielt ich zu Beginn meiner Wanderung noch ganz brav die Wanderkarte in der Hand, verschwand diese aber bereits nach den ersten gewanderten Metern wieder in der Tasche. Denn als mich diese tiefe Ruhe berührte, wollte ich auf kein Papier mehr starren und irgendwelchen Buchstaben und Zahlen auf Bäumen folgen. Ich wollte einfach nur los.

Meine Worte können die Gefühle, die ich bei der Wanderung erleben durfte, kaum beschreiben. Die Frühlingssonne, die in einem Lichtermeer durch die hohen Bäume im Wald strahlte. Diese wohltuende Luft, die Frische und die unglaublich schönen Geräusche der Natur.

Ich war von innerer Ruhe erfüllt!

Hier geh ich auf, hier kann ich atmen. Einatmen und bei mir sein. Durchatmen! Kein stressiger Alltag, keine Sorgen oder Probleme. Nur ich, mit mir selbst und mit dem Gefühl und der Gewissheit ganz fest bei mir zu sein.

Ein unglaublich befreiendes Gefühl überkam mich und die Gewissheit, dass nichts zufriedener macht, als gut zu sich selbst zu sein.

Das einfach mal machen, das einfach mal tun und aktiv werden fand seinen Höhepunkt in der Besteigung eines Aussichtsturms. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir meine Wanderroute auch deswegen ausgesucht. Wer seine Komfortzone verlässt, gibt der Angst keine Chance.

Seit vielen Jahren leide ich unter Höhenangst. Wirklich schlimm. Meine Beine werden weich, mein Plus rast und dann geht plötzlich gar nichts mehr. Schon oft habe ich versucht mich dieser Angst zu stellen. Im Flugzeug, auf der Seilbahn und letztes Jahr dann im Kletterpark, mit dem Erfolg, dass ich es zwar auf die hohe Kletterplattform geschafft hatte, dann aber nicht mehr weiter kam. Nichts ging mehr. Mein Kopf hat meinen Körper so gelähmt, dass es ewig lange gedauert hat, wieder von dieser hohen Plattform abzusteigen.

Ich wollte es dieses Mal anders machen. Ich wollte stärker sein, als diese große Angst. Ich nahm all meinen Mut zusammen und bestieg diesen 30 Meter hohen Aussichtsturm, mit den Gitterstufen, durch die du durchgucken kannst. Mein Puls stieg, ich fing an zu schwitzen und ja meine Beine wurden weich und für den Aufstieg habe ich auch meine Zeit gebraucht. Aber ich tat es. Ich bestieg diesen angsteinflößenden Turm!

Als ich endlich oben war, verspürte ich plötzlich diese Glücksgefühle und die unglaubliche Zufriedenheit darüber, dass ich der Angst, meine viel größere Stärke entgegen gestellt habe. Ein unsagbar schönes Gefühl. Ich war so frei dort oben mit mir selbst und in einem richtigen Glücksrausch. Belohnt wurde ich dazu auch noch mit einer wunderschönen Aussicht. Jede Stufe hat sich gelohnt, jeder Schritt war ein wichtiger Schritt nach oben.

Dieser kleine Ausflug war die beste Entscheidung meiner ganzen Woche. Was für tolle Erfahrungen das Leben einem bietet, wenn man sich kurz mal erlaubt, sich vom Alltag zu verabschieden.

Worauf wartest du also noch? Raus mit dir! Werde zum Schattenspringer!

Foto: Copyright pixabay.com & colour your soul

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