I’m reachable! Es wäre SMART ohne PHONE

I’m reachable

Du klingelst morgens. Du bist meine erste Berührung des Tages. Bist mein Wecker. Ein schriller Ton erklingt. Ich wische auf dir herum. Jetzt bist du still. Snoozen heißt es. Ich nenne es Faulheit.

Und da klingelst du auch schon wieder. Okay, aufstehen! Aber keine Angst! Dich nehme ich mit.

Du kommst mit mir ins Bad. Ich sitze auf der Toilette. Was hab ich wohl in den letzten sechs Stunden Schlaf verpasst?! Ich klicke auf dir herum. Mal gucken, wer von meinen Freunden schon wach ist. Ich schaue nach. Und schon tippe ich die ersten Morgengrüße in die Welt. Wach bin ich aber noch nicht.

Gespräche werden flacher

Die Zeit vergeht mit dir so schnell. Egal, ich stöber im Netz. Hier ein Like, dort ein Gefällt mir und schon antworten die ersten Freunde. Ihnen geht es wohl ähnlich wie mir. Sie haben dich am frühen Morgen auch schon in der Hand. Aber irgendwie werden die Gespräche flacher, inhaltsloser und Tiefe geht verloren. Ich packe den Gedanken beiseite. Weg mit ihm. Ich muss erreichbar sein, immer. REACHABLE! Bin ich’s nicht, wer bin ich dann?

Ich schaue auf die Zeitanzeige. Mist. Dennoch nehme ich dich mit zum Frühstück. Aber nur wenn ich alleine esse, tippe ich währenddessen auf dir rum. Bei Zweisamkeit lege ich dich dicht neben mich, dann bist du mir nicht zu fern. Immer griffbereit. Einsatzfähig. REACHABLE! Ich koste deine Möglichkeiten vollkommen aus. Mit dir kann ich alles teilen. Jeder Schritt wird dokumentiert. Fast verpasse ich den Zug, deinetwegen.

Du bist mein treuer Begleiter

Du hast es gerne warm und deswegen halte ich dich manchmal einfach nur so in der Hand und dafür brauchst du gar nichts tun. Beim Laufen zum Zug halte ich dich ganz fest, damit ich schon bei der kleinsten Sehnsucht nach dir, mal schnell mit dir spielen kann.

Selbst wenn die Zeit knapp ist, kann ich dir oft nicht widerstehen. Mist! Wie machst du das nur? Du wickelst mich immer wieder um den kleinen Finger. Verdammt! Ich nehme mir vor, dich in der Tasche zu lassen. Auf der Arbeit, in der Uni und bei Freunden. Aber wenn ich von Weitem sehe, dass dein kleines Lämpchen so wunderschön blau aufleuchtet, na da bin ich verloren. Dir verfallen. Ich muss wissen, wieso du blinkst.

SPAMMM! Puh! Nichts verpasst!

Aber wieso melden sich meine Freunde nicht bei mir? Haben sie meine Nachricht denn nicht bekommen? Nervosität macht sich breit. Ich will’s genau wissen. Pah! Gelesen und noch keine Antwort. Die haben Nerven!

Es blinkt! Wieder! Du leuchtest… I‘M REACHABLE! I‘M IN THE GAME! Du auch? Solltest du sein. Immer, überall. Keine Feiertage. Keine Uhrzeiten. Halt machst du vor nichts und niemandem.

Seitdem du mich begleitest, lasse ich viel zu oft den Kopf hängen. Immer ist mein Blick nach unten gerichtet. Meine Blicke gehören nur dir. Was rechts und links von mir passiert, krieg ich kaum mit. Egal. Ich hab ja dich.

Es macht mich wahnsinnig, wenn dein Akku nicht mehr voll ist. Wenn du unterwegs den Geist aufgibst, gleicht das einer wahren Katastrophe. Was ich dann mache? Ich werde nervös, ärgere mich und fühle mich einsam. Abgeschottet. Ich und nicht reachable? „Geht gar nicht“, sagt die Welt da draußen. „Geht gar nicht“, flüstert mein Kopf.

Ich leihe mir ein Kabel, damit du wieder Saft bekommst und schon läufst du. Bist wieder da. Wir sind reachable. Dein kleines aufleuchtendes Lämpchen macht glücklich, für einen kurzen Moment. Dann stresst es, engt ein. Du brauchst so viel Platz, dabei bist du doch so klein.

Ich nehme mir vor, dich auszulassen. Für eine Stunde. Für einen Tag… Im Urlaub!

…….

Du bist meine erste Berührung des Tages. Du bist meine letzte Berührung des Tages. Selbst in der Nacht brauche ich dich, dich meine Taschenlampe.

Foto: Copyright Pixabay.com

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