Wenn der Tod an die Tür klopft, lass ihn rein!

Abschied nehmen lässt sich nicht üben. Es ist nicht planbar und klopft ohne Warnung ganz plötzlich an deine Tür. Kraft ist gefragt, dort wo Schwäche ist. Kraft, um der Schwäche die Hand zu reichen. Dass das nicht leicht ist, erfahre ich gerade am eigenen Leib.

Du schaust dir alte Fotos von dem Menschen an, den du kaum noch wieder erkennst, und du verstehst erst jetzt, dass du viel zu spät gemerkt hast, dass dieser Mensch, den du so sehr liebst, in die Jahre gekommen ist. Mit Schrecken stellst du fest, dass diese von dir geliebte Person nicht mehr die Person ist, die sie bis jetzt doch noch immer für dich war. Verdrängt hast du all die Veränderungen, die du nicht sehen wolltest. Du willst sie nicht sehen, weil du Angst vor ihnen hast.

Angst davor, nicht stark genug zu sein. Angst davor, die Last des Anderen nicht tragen zu können. Angst davor, die Situation einfach akzeptieren zu müssen. Angst, die falschen Worte zu wählen. Angst, vor dem Schweigen, der Stille und des Aushaltens. Angst, Lebewohl zu sagen.

Du fühlst dich machtlos und weißt nicht, was du tun kannst, um die Situation für dich und die geliebte Person ein wenig leichter zu machen. Es überkommt dich vielleicht sogar eine Ohnmacht, die dir den Boden unter den Füßen wegzieht und dich einfach in ein tiefes Loch fallen lässt. Doch hier kannst du nicht bleiben. Vielleicht für einen kurzen Moment, für eine kurze Zeit, aber dann solltest du versuchen, langsam wieder aufzustehen und auf die Beine zu kommen. Natürlich darfst du hinfallen, wichtig ist nur, dass du es immer wieder schaffst, aufzustehen.

Vielleicht kennst du das von dir selbst, dass du denkst, keine große Hilfe in solch einer Situation zu sein. Ich weiß heute aber, dass wir genau die Hilfe sind, die gebraucht wird. Du und auch ich!

Niemand auf dieser Welt kann dir deine Aufgabe, die du versuchst zu meistern, abnehmen. Aber es ist unglaublich hilfreich zu wissen, dass du ganz allein entscheiden kannst, wie du jemandem begegnest, dem du bei jedem deiner Besuche immer wieder aufs Neue Lebewohl sagst. Du kannst entscheiden, dass es leichter werden kann. Mit Sicherheit wird es dir immer weh tun, aber es gibt Wege, die du für dich nutzen kannst, um deine Situationen besser annehmen zu können.

Drei Wege, die es mir leichter machen, mit dieser Last umzugehen ohne von ihr erdrückt zu werden!

1. Zeige deine wahren Gefühle
Viel zu oft musste ich in der letzten Zeit folgenden Satz hören: „Nicht weinen, wenn du gleich ins Zimmer gehst!“. Als man mir diesen Satz das erste Mal vor den Latz knallte, war das für mich ein Schlag ins Gesicht. Dieser Satz hat mich in dem Moment nicht nur verletzt, er hat mich gleichzeitig auch richtig eingeschüchtert. Ich kam mir so unsagbar schwach vor. Dabei hatte ich mir vorgenommen, ganz stark zu sein und erhielt durch diese Aussage die totale Ernüchterung. Ich zweifelte an meiner Stärke, an meiner Fähigkeit, Menschen Trost spenden zu können. Ich fühlte mich plötzlich leer.

Ich dachte darüber nach, wieso ich mich als Einzige im Raum nicht zusammenreißen konnte und irgendwann wurde es mir dann klar: Wenn ich dem Menschen, nicht mit meinen echten Gefühlen begegne, mache ich mir und der geliebten Person etwas vor und das kann ich nicht. Deswegen sollte eines ganz klar für dich sein:

Wenn du weinen musst, dann weine! Das ist okay und nicht verwerflich! Tränen können anderen Menschen vielleicht Angst machen, weil sie gerne selbst weinen würden, es sich aber nicht zugestehen. Solltest du also jemals solch einen Satz, wie er mir begegnet ist, hören, dann sei nicht böse auf dein Gegenüber und sei dankbar dafür, dass du weinen kannst.

2. Sei da
Je öfter du dich einer Situation stellst, desto leichter wird sie für dich werden. Tritt in Kontakt mit dem Menschen, der dich mehr braucht als du dir vermutlich vorstellen kannst. Habe keine Angst immer und immer wieder in dieselbe Situation zu gehen. Verschließe dich nicht davor, nimm die Angst raus. Leg sie beiseite, denn hier brauchst du sie nicht. Dort, wo so tiefe Liebe ist, hat die Angst nichts zu suchen.

3. Nimm diesen Weg an
Hege keinen Groll und Missmut. Versuche nicht, krampfhaft zu ändern, was nicht zu ändern ist. Nimm diese Hürde an und schau genau hin, was sie dir zu sagen hat. Oft lernen wir uns in solchen Situationen selbst noch mal ein ganz großes Stück besser kennen. Lass geschehen, was geschehen muss. Halte nicht fest. Lass los und du wirst sehr bald merken, dass du ab jetzt immer ein kleines bisschen mehr Luft schnappen wirst. Zug um Zug, Stück für Stück. Trau dich!

Niemand hat gesagt, dass es leicht ist, aber es kann leichter werden, indem du es lässt.

Opi, ich liebe dich!

 

Foto: Copyright pixabay.com

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