Where will you go from here? What is your next move?

Where will you go from here?

In den letzten Wochen begegnet mir immer und immer wieder eine Werbeanzeige, sobald ich das Haus verlasse. Ich versuche mich zwar vor ihr zu verstecken, aber es gelingt mir nur schwer. Seit Tagen geistert der Werbetext der Anzeige in meinem Kopf herum, wie ganz große und schwere schwarze Buchstaben. Immer diese Fragen des Werbeplakats, die einem beim Warten auf den Zug oder beim Bummeln durch die Stadt vor die Augen kommen. Selbst bei meiner Gehmeditation vor ein paar Wochen machte die Anzeige keinen Halt.

Wenn es etwas gibt, vor dem ich mich in den letzten Monaten massiv gedrückt habe, dann genau vor der Beantwortung der Fragen, die, wie ich schon erwähnte, mir überall und von jeder Ecke der Stadt ins Gesicht lachen. Zum allerersten Mal stieß ich auf sie, als ich meinen Bus verpasste und aus dem Weg in die Stadt, eine Gehmeditation machte. Bei der ersten Begegnung mit dem Werbeslogan nahm ich die Frage „Where will you go from here?“ an und bettete sie als konkretes Thema in meine Gehmeditation ein.

Ich versuchte, die Frage für mich nicht zu beantworten. Noch nicht. Ich nahm sie mit und begriff aber sehr schnell, dass ich mir mit der Beantwortung dieser Frage wohl nicht noch weitere Monate Zeit lassen konnte. Danach entschloss ich mich die Beantwortung bis auf Weiteres zu vertagen. Bis heute!

What is your next move?

Seitdem ich mich für das Hinausschieben entschieden habe, taucht diese Frage nun aber permanent in meinem Alltag auf. Sie verfolgt mich regelrecht und ich treffe komischerweise immer dann auf sie, wenn ich versuche große Pläne für die Zukunft zu machen. Zudem wird sie an manchen Orten der Stadt auch noch ergänzt und plötzlich kreisen meine Gedanken um einen weiteren Werbetext „What is your next move?“, will da doch tatsächlich der gutaussehende Mann von der Werbetafel von mir wissen. Am liebsten würde ich mich vor ihn stellen und laut zu ihm hoch brüllen: „Woher soll ich das wissen, du Idiot!?“, aber das mache ich nie, also nie laut, nur ganz still in meinem Kopf. Da brülle ich ihn an. Auf ein Augenrollen kann ich beim Vorbeilaufen dennoch nicht verzichten.

Ein ruhiger Moment für  mich…

Heute Morgen war ich eine Weile im Park spazieren, habe bunte Blätter gesammelt, mich von dem Moment treiben lassen und über die Fragen nachgedacht. Ich weiß nicht, wohin mich meine Füße in Zukunft tragen werden und was mein nächster Schritt ist. Was ich aber ganz gewiss weiß und worauf ich mit meinem ganzen Herzen vertraue, ist, dass mich meine Füße immer tragen werden, ganz gleich wie der Weg auch beschaffen ist.

Das Leben als Moment anzunehmen und den nächsten Schritt zu tun, ohne sich um weitere Schritte Sorgen zu machen, ist mein Lebensziel. Und ich bin dabei „für heute zu leben“ und ein Bein vor das andere zu setzen, anstatt von großen Zukunftsplänen erschlagen zu werden und vor Werbetafeln wegzulaufen.

Wohin es mich morgen verschlägt, kann ich dir nicht sagen. Meinen nächsten Schritt werde ich setzen, aber ohne mir über ihn auch nur ein einziges Mal den Kopf zu zerbrechen.

Der Schritt wird kommen, ganz bestimmt. Ich werde ihn setzen, laufen, in diesem Leben, auf meinem Weg und dabei versuche ich immer im Heute zu bleiben. Ohne Zukunftsangst, ohne Druck von außen. Sondern ganz frei, für mich, auf meinem Weg.

So lieber gutaussehender Typ von der Werbetafel. Frage beantwortet. Du bist dran! What is your next move?

Foto: Copyright Julia Marquardt (Mülheim an der Ruhr)

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